Kinaesthetics Grundkurs für die ganze Station.

Josefiverein Kößlarn setzt umfassende Schulung um

Ein in Niederbayern vielleicht einmaliges Bildungsprojekt hat die Caritas Sozialstation Josefiverein Kößlarn durchgeführt. Von Januar bis April 2014 wurden alle Mitarbeiter der Pflege in einem 4-tägigen Kinaesthetics Grundkurs geschult.

Schonend bewegen statt heben – lautet die Idee, für die Kinaesthetics in der Pflege seit etwa 30 Jahren bekannt ist. Doch über mehr als ein paar Stunden reicht das Fortbildungsangebot oft nicht hinaus, wo lediglich einige Techniken zum Aufstehen und Umsetzen von Patienten gezeigt und nachgemacht werden. Dabei kommt dann ein wesentlicher Grundpfeiler von Kinaesthetics oft zu kurz: Das Miteinbeziehung und Fördern noch vorhandener Möglichkeiten der Patienten zu erhalten und dadurch die Selbständigkeit zu erhalten oder verbessern. Die Stationsleiterin des Josefiverein Kößlarn Edeltraud Schnall meint dazu: "So hatte das leider nie einen nachhaltigen Effekt; eine Technik kann man unmöglich bei allen Patienten einsetzen und so sind wir an der Umsetzung oft gescheitert." Den Wandel brachte dann die Ausbildung der Mitarbeiterin Sonja Bürgermeister zur Kinaesthetics Trainerin. "Sie konnte unsere oft unbeweglichen Patienten wieder selbständiger machen, Ressourcen entdecken und aufbauen. Dabei kommt sie praktisch immer ohne heben aus, das wollte ich für alle Mitarbeiter.", erklärt Edeltraud Schnall. Trotz des organisatorischen Aufwands sind alle der Meinung, es habe sich sehr gelohnt einmal so genau auf die eigene Bewegung zu schauen und sowohl im Alltag als auch in der Pflege Neues auszuprobieren. "Ich nehme mir viel mit für meine eigene Bewegung und sehe viel mehr Möglichkeiten, die Patienten zu fördern." , sagt eine Teilnehmerin und Edeltraud Schnall, die für sich einen "Roll-Transfer" entwickelt hat, meint: "Ich glaube wir haben unseren Patienten oft auch zu wenig zugetraut. Jetzt habe ich viel mehr Ideen". Eine Teilnehmerin berichtet, dass sie einen Patienten, der nicht mehr stehen kann, jetzt völlig mühelos vom Bett in den Rollstuhl und zurück setzen kann. "Dieser Patient hat die neue Methode inzwischen so gut verinnerlicht, dass er eine neue Pflegekraft selber zum Transfer anleiten kann", freut sich Kinaesthetics Trainerin Sonja Bürgermeister. Eine andere Stations-Mitarbeiterin berichtet von ihren Erfolgen einen bettlägerigen Patienten wieder zum selbständigen Sitzen zu bringen.

In 6 Monaten findet ein Auffrischungstag statt, für 2015 ist ein freiwilliger Aufbaukurs in Planung. Kinaesthetics Trainerin Sonja Bürgermeister: "Eine Verhaltensänderung - weg vom Heben und hin zum Bewegen - ist ein Prozess, der einfach Zeit braucht. Man lernt ja auch nicht Autofahren an einem Tag". Wenn Sie sich über das Bildungsprojekt informieren möchten, können Sie Kontakt aufnehmen zum Josefiverein Tel: 08536 1660

Kinaesthetics
Die 94-jährige Patientin musste schon lange vom Bett in den Rollstuhl gehoben werden. Zusammen mit Sonja Bürgermeister hat sie wieder gelernt, wie sie alleine aufstehen und sich umsetzen kann.
Kinaesthetics
Die MitarbeiterInnen des Josefivereins mit ihren Kinaesthetics Grundkurs Zertifikaten (links aussen Stationsleitung Edeltraud Schnall, vorne rechts Sonja Bürgermeister)

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